Nabelbruch bei Erwachsenen

Direkt nach der Geburt tritt bei Säuglingen oftmals ein Nabelbruch auf, weil die Bauchwand am Bauchnabel noch nicht komplett ausgebildet ist. 98 % dieser Brüche bilden sich allerdings meistens spontan innerhalb der ersten zwei Lebensjahre des Kindes wieder zurück. Bei Erwachsenen hingegen kann sich eine Nabelhernie nicht mehr von selbst zurückbilden. Lesen Sie, welche Ursachen ein Nabelbruch hat, welche Symptome auf eine Hernie hinweisen und welche Beschwerden darauf hindeuten, dass der Nabelbruch behandelt werden sollte.

Was ist ein Nabelbruch?

Nabelbruch.BauchdeckeDer Nabelbruch, auch als „hernia umbilicalis“ bezeichnet, ist eine lochartige Lücke in der stabilisierenden Bauchwandfaszie. Das Bauchfell, die innerste Schicht der Bauchwand, wölbt sich durch diese Lücke in der Muskelhaut, der Faszie, nach außen.

Das Bauchfell bzw. der Bruchsackinhalt schiebt sich weiter nach außen und drückt gegen die Haut im Nabelbereich. Das Wort Bruch ist also eher in seiner Bedeutung als Riss zu verstehen – weniger als tatsächlicher Bruch.

Bei vielen Erwachsenen verursacht der Nabelbruch keine Schmerzen und ist nur durch einen leicht vorgewölbten Bauchnabel zu erkennen.

  • Vorwölbung von Brucheingeweiden durch die Faszienlücke des Nabels
    (=Als Nabelhernie wird ein Spalt in der Muskelhaut beim Nabel bezeichnet, durch den sich Bauchfell nach außen wölbt.)Jeder Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine angeborene oder erworbene Lücke im Bereich der Bauchwand wird als Hernie (griechisch: „Knospe, Spross) bezeichnet – die Klassifikationen nach ICD-10 reichen von K40 der Hernia inguinalis (Leistenhernie) bis zur Schenkelhernie. Hernien werden außerdem unterschieden in:
  • Komplette Hernie: Bruchsack (Auswölbung) enthält alle Hautwand-Schichten und einen Teil des vollständigen Darms.
  • Richtersche Hernie: Bruchsack enthält nur partiellen Anteil an Teilen des Darms.
  • Gleithernie: Eine Seite des Brucksacks wird von Faszie oder Darm gebildet.

Die am häufigsten vorkommende Hernie im Bauchwandbereich ist die Leistenhernie bzw. der Leistenbruch – er betrifft 75 % aller Fälle und vor allem Männer.

Ursachen und Risikofaktoren des Nabelbruchs

Der Großteil der Nabelhernien ist angeboren, der Nabelbruch kann allerdings auch erworben werden. Prädisposition für eine Nabelhernie, die vor allem Frauen betrifft, ist Gravidität (=Schwangerschaft), Adipositas, rasche und starke Gesichtsabnahme, rezidivierender Aszites (Leberzirrhose) oder starke körperliche Belastung, wie z. B. schweres Heben (umstritten).

  • Schwachstellen in der Bauchhaut
  • Operationsnarben
  • Schwangerschaft
  • Übergewicht
  • Bindegewebsschwäche
  • Krankheiten, die eine vermehrte Wassereinlagerung im Bauchraum mit sich bringen

Wissenschaftler gehen sowohl von einer embryologischen als auch einer anatomischen Grundlage für die Entstehung der Hernie aus. Wegen der anatomischen Gegebenheiten sind in der Nabelregion physiologische Schwachstellen vorhanden, aus denen sich Nabelbrüche entwickeln können. Prädisponierend für das Auftreten einer Hernie können außerdem ein fehlerhafter Verstärkungsmechanismus oder eine unvollständige Entwicklung des Nabelrings, ein unzureichendes Aneinanderhaften der Retusmuskeln oder aber ein komplettes oder teilweises Fehlen der Faszie transversalis, ein Teil der Umbilikalfaszie, sein.

 

Außerdem mögliche Auslöser
Ob schwere körperliche Arbeit tatsächlich einen Nabelbruch auslösen kann, ist noch umstritten. Wenn, dann steht diese Ursache wohl trotzdem immer mit den Schwachstellen in der Bauchwand in Verbindung. Besteht bereits eine anatomische Abweichung, können folgende Ereignisse einen Nabelbruch auslösen:

  • Schweres Heben
  • Heftiges Husten
  • Heftiges Pressen bei chronischer Verstopfung

Durch die aufgezählten Faktoren kann sich der Druck im Bauch so weit erhöhen, dass die Hautschichten rund um den Umbilicus diesem nicht mehr standhalten können und sich das Bauchfell nach außen wölbt.

Symptome beim Nabelbruch

Wie kann man selbst einen Nabelbruch erkennen? Oft wird die Hernie am Umbilicus länger nicht erkannt, weil keine Schmerzen auftreten und sich nur eine minimale Vorwölbung im Bereich des Nabels zeigt. Weitere Symptome bleiben meistens aus.

Symptome im Überblick

  • Verformung und Herauswölbung in der Nabelregion
  • Vorwölbung oberhalb oder unterhalb des Bauchnabels

Die Oberbauchwandbrüche lassen sich in unterschiedliche Brüche unterscheiden: Als supraumbilikale Hernie wird eine Auswölbung bezeichnet, die oberhalb des Nabelringes liegt. Brüche, die durch kleine Lücken in der mittigen Bauchlinie auftreten, werden als epigastrische Hernien bezeichnet. Ein Auseinanderweichen der Bauchmuskeln durch die Wölbung wird als Rektusdiastase bezeichnet – im Großteil dieser Fälle gibt es außer kosmetischen Störungen keine Beschwerden.

Folgende Symbole weisen auf eingeklemmte Darmabschnitte hin:

  • Bläuliche Verfärbung
  • Schmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Stuhlverhalt

Der Arzt tastet die Nabelregion ab, um eine Hernie festzustellen. Meist kann der Nabelbruch rasch entweder durch die Tast- oder Blickuntersuchung festgestellt werden – die Diagnose bereitet meist keine Probleme. Durch das Stethoskop kann außerdem die Ausstülpung abgehört werden – so kann der Arzt feststellen, ob sich Teile des Darms vorgelagert haben. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall können helfen, den Bruch einzuschätzen.

Achtung: Verfärbt sich der Bruch bläulich oder treten Schmerzen auf – dann sofort zum Arzt! Ein eingeklemmter Nabelbruch muss sofort operiert werden.

Differenzialdiagnosen

Meist werden Nabelbrüche rasch erkannt, weil die Symptome eindeutig sind. In seltenen Fällen kann die Hernie mit einem Tumor an der Wand im Inneren des Bauches verwechselt werden. Eine wesentliche Differenzialdiagnose des Nabelbruchs ist außerdem die sogenannte Rectusdiastase, eine Ausdünnung der Faszie der Bauchmuskeln, allerdings ohne Einklemmung. Deshalb muss die Rectusdiastase nicht operiert werden – kann aber aus kosmetischen Gründen behandelt werden.

Therapie und Behandlung des Nabelbruchs

Ein Nabelbruch kann, muss allerdings nicht operiert werden. Bei einer angeborenen Nabelhernie kann innerhalb der ersten zwei Lebensjahre noch eine Spontanheilung auftreten. Deshalb besteht in diesem Fall beim Baby keine OP-Indikation und die Therapie beschränkt sich auf „Abwarten“. Es werden auch keine Medikamente verabreicht.
Bei Erwachsenen wird eine Operation immer dann empfohlen, wenn die Gefahr besteht, dass sich der Bruchsackinhalt einklemmen kann bzw. wenn der Bruch größer ist. Ein eingeklemmter Nabelbruch kann durchaus gefährlich werden: Wenn sich Darmgewebe einklemmt, kann die Durchblutung dieses Bereichs gestört werden. Es kann zu einem Absterben von Teilen des Darms kommen. Bei drei bis fünf Prozent aller Nabelbrüche tritt eine Einklemmung auf. In diesem Fall handelt es sich um einen Notfall, der sofort operiert werden muss!

Unbehandelt kann der Nabelbruch gefährlich werden

Auch Nabelbrüche, die schmerzhaft sind und bei denen sich die Haut immer weiter ausdehnt, sollten operativ beseitigt werden. Viele Operationen werden vorbeugend getätigt, um Komplikationen wie Einklemmungen zu vermeiden. Nicht immer ist allerdings eine Operation nötig – vor allem dann nicht, wenn der Nabelbruch mechanisch in die Bauchhöhle zurückgelagert werden kann. Eine Spontanheilung ist bei volljährigen Personen selten.

Nabelbruch-Operationen

Nabelbruch Operationen werden entweder unter Vollnarkose oder ambulant durchgeführt, dies ist von der individuellen Situation abhängig. Wie der Eingriff abläuft, hängt von der Bruchgröße und den individuellen Voraussetzungen ab, prinzipiell werden zwei unterschiedliche Operationsmethoden angewandt:

    • Kleinere Defekte bis etwa 2 cm Durchmesser
      werden durch Nahttechniken beseitigt. Über einen kleinen Schnitt wird an die Lücke in der Bauchwand genäht. Es bleibt keine größere sichtbare Narbe zurück, das Risiko, an derselben Stelle wieder einen Nabelbruch zu erleiden, ist gering. Nach etwa zwei Wochen kann wieder Sport betrieben werden.
    • Größere Defekte oder Rezidiven
      werden behoben, indem die Bauchwand mit einem gut verträglichen Kunststoffpatch (Netz) verstärkt wird. Auch bei adipösen Klienten, bei Klienten mit schweren Belastungen im Alltag (schweres Heben) oder zur Vermeidung von Rezidiven (erneutes Auftreten einer Hernie) wird die Wand im Bauch durch Kunststoff verstärkt. Das eingesetzte Material ist dasselbe wie das Nahtmaterial, das weltweit seit Jahrzehnten bei OPs zum Einsatz kommt. Es ist auch möglich, die Naht durch körpereigenes Gewebe zu verfestigen – meist werden allerdings die Kunststoffnetze angewandt. Diese letztere Methode hat sich vor allem ab einer gewissen Größe von Defekten bewährt, um Rezidiven zu vermeiden. Auch bei adipösen Patienten wird meist das Einsetzen eines Patch empfohlen.Die Ausheilung der Narbe nach einer Operation kann bis zu drei Monaten in Anspruch nehmen. Klienten sollten nach der OP das Heben von schweren Gegenständen, zu starkes Pressen etc. – also Zug- und Druckbelastungen – ein ganzes Jahr lang vermeiden. Übergewicht sollte ebenfalls abgebaut werden, um den Behandlungserfolg zu unterstützen.

Komplikationen bei Nabelbruch-OP

  • Komplikationen bei Nabelbruch-OPs treten nur selten auf. Die allermeisten Eingriffe verlaufen komplikationslos, nach der OP sind keine Narben sichtbar. Mögliche Komplikationen sind:
  • Verletzungen des Darms
  • Bauchfellentzündung
  • Verletzungen innerer Organe
  • Blutungen und Nachblutungen
  • Infektionen
  • Wundheilungsstörungen und Narbenbildungen
  • Taubheitsgefühl an der betroffenen Stelle
  • Allergische Reaktionen auf Kunststoffnetz

Vor der Nabelbruch-Operation

Vor der Operation müssen gerinnungshemmende Arzneimittel (z. B. Aspirin oder Marcumar) abgesetzt werden.

Nach der Nabelbruch-Operation

Erfolgt die Operation ambulant, kann der Patient die Klinik bereits nach zwei bis drei Stunden verlassen. Nach der OP sollte eine Woche lang Bettruhe gehalten werden. Außerdem sollte für einige Wochen kein Sport betrieben werden. Kontrolluntersuchungen sollten wahrgenommen werden, etwa zehn Tage nach dem Eingriff entfernt der Arzt die Fäden.

zu risiken und nebenwirkungen