Nabelbruch bei Babys und Kindern

Nabelbruch bei BabysRund fünf bis zehn Prozent aller Neugeborenen kommen mit einem Nabelbruch auf die Welt. Meist ist die Nabelhernie harmlos. Die Wölbung kann entweder plötzlich auftreten oder langsam wachsen. Der Nabelbruch bei Babys und Kindern ist derselbe, wie ihn auch Erwachsene erleiden können: Schwachstellen in der Bauchdecke rund um den Nabel sind dafür verantwortlich, dass sich das Bindegewebe nach außen schiebt.
Bei Neugeborenen ist die Muskelhaut im Nabelbereich noch nicht vollständig zugewachsen, durch die Lücke kann sich Bindegewebe und Dünndarm nach außen stülpen. Die Lücke existierte wegen der Nabelschnurgefäße, die das Kind im Bauch der Mutter mit Sauerstoff versorgten. Im Normalfall verschließen sich die Bauchwandlücken, nachdem die Nabelschnur abgefallen ist. Wenn der Vorgang allerdings länger dauert, kann ein Nabelbruch entstehen. Selbst wenn die Beule tomatengroß ist – gefährlich ist sie im Großteil der Fälle nicht. In der Regel schließt sich die Lücke in den ersten drei Lebensjahren wieder von selbst.
Der Nabelbruch ist einer der häufigsten Defekte im Säuglings- und Kleinkindalter; trat bereits ein Nabelbruch in der Familie auf, ist die Wahrscheinlichkeit eines Bruchs erhöht. Die operative Therapie des Bruchs ist die zweithäufigste OP bei Kindern nach Leistenbrüchen.

  • Zwischen 5 und 10 Prozent der Neugeborenen erleiden einen Nabelbruch.
  • In den allermeisten Fällen ist die Nabelhernie völlig harmlos.
  • Rückbildung im Laufe der ersten drei Lebensjahre ist wahrscheinlich.

Nabelbruch bei Kindern

Tritt im Kleinkindalter ein Nabelbruch auf, besteht dieser vermutlich bereits seit der Geburt. Meist wird von Ärzten geraten, einfach bis zum sechsten Lebensjahr abzuwarten, ob sich der Bruch wieder zurückbildet. In rund 90 Prozent der Nabelhernien heilen diese innerhalb der ersten sechs Lebensjahre spontan und von allein wieder ab – deshalb wird die Nabelhernie auch gar nicht zu den Krankheiten gezählt. Sollte sich die Bauchwandlücke bis zum Schulalter nicht schließen, wird von einigen Kinderchirurgen eine OP empfohlen und zwar vor allem dann, wenn es sich entweder um einen größeren Bruchsack von über 2 Zentimeter handelt oder wenn das betroffene Kind ein Mädchen ist. Letzteres deshalb, weil es eventuell bei einer späteren Schwangerschaft Probleme mit dem Nabelbruch geben kann.

 

Ursachen und Risikofaktoren des Nabelbruchs bei Babys und Kindern

Die meisten Nabelhernien treten im ersten Lebensjahr auf, verschließen sich dann aber bis zum zweiten Lebensjahr von selbst. Ob eine Nabelhernie vorkommt, wird von genetischen Faktoren beeinflusst. Auch die Reife des Neugeborenen ist jedoch eine Ursache des Nabelbruchs. Bei frühgeborenen Babys tritt der Nabelbruch häufiger auf als bei reifen Neugeborenen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2004 betrafen 75 – 84 Prozent aller Kinder mit Nabelbruch Babys, die bei der Geburt weniger als 1500 Gramm wogen. Nur 21 Prozent der Nabelhernien betrafen Babys, die über 2500 Gramm wogen. Derzeit wird noch darüber diskutiert, ob auch bei „schweren“ Frischlingen, die über 3200 Gramm wiegen, von einer erhöhten Inzidenz auszugehen ist.
Mögliche Ursachen sind also:

  • Frühgeburt
  • Genetisch-anatomische Faktoren (Häufung in der Familie)

Ein Faktor, der das Ereignis Nabelhernie auch beeinflusst, ist die Rasse: bei Afroamerikanern tritt sie achtmal so häufig auf wie bei der weißen Bevölkerung. Mögliche Gründe für diese Unterschiede werden noch diskutiert – einige Wissenschaftler sehen das Fehlen der umbilikalen Faszie in der schwarzen Bevölkerungsgruppe als Grund an, andere Thesen machen eine unzureichende pränatale und postnatale Versorgung dafür verantwortlich.
Störungen, die mit Umbilikalhernien in Zusammenhang stehen könnten
Meist tritt der Nabelbruch isoliert auf und es gibt keine weiteren Erkrankungen. Es gibt allerdings einige Fehlstörungen, deren Zusammenhänge mit einem Nabelbruch diskutiert werden. Dazu gehört das Beckwith-Wiedemann-Syndrom, Trisomie 18, Trisomie 13 und Trisomie 21 sowie das Hurler-Syndrom. Möglich ist auch ein Zusammenhang zwischen Umbilikalhernien und dem Atemnotsyndrom.

 

Symptome des Nabelbruchs bei Babys und Kindern

Wie können Eltern nun einen Nabelbruch beim Baby erkennen? Wenn das Baby die Bauchmuskeln dehnt, also schreit, lacht, hustet oder weint, wird eine Beule sichtbar, die meist zwischen einem und fünf Zentimeter groß ist. Die Hernie beim Baby wird meist gleich nach der Geburt, also beim Ende der Schwangerschaft, festgestellt.
Der Arzt kann bereits durch Abtasten der Auswölbung, auch Bruchsack genannt, feststellen, ob eine Nabelhernie vorliegt (=Blickdiagnose). Durch bildgebende Verfahren, wie z. B. eine Ultraschall-Untersuchung, kann außerdem festgestellt werden, ob es sich um einen harmlosen Nabelbruch handelt oder ob Teile des Darms eingeklemmt sind. In letzterem Fall muss evtl. operiert werden.

Von Eltern werden – neben der Wölbung am Nabel – oft noch folgende klinische Symptome beschrieben:

  • Gedeihstörungen
  • intermittierende Brechattacken
  • Unruhe

Differenzialdiagnosen: Nabelschnurbruch und Gastroschisis

? Nabelschnurbruch
Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen der Nabelhernie – also Krankheiten, die ähnliche Symptome aufweisen – gehört der Nabelschnurbruch, auch Omphalozele genannt. In diesem Fall kommt das Baby bereits mit einer gut sichtbaren Vorwölbung auf die Welt, die auch in entspanntem Zustand nicht verschwindet. Diese angeborene Fehlbildung der Bauchdecke bewirkt, dass Dünn- und Dickdarm dauerhaft ausgelagert werden. Im Falle eines Nabelschnurbruchs muss meist operativ eine künstliche Bauchhöhlenerweiterung geschaffen werden, damit die außen liegenden Organe im Inneren Platz finden.
? Gastroschisis
Gastroschisis bedeutet so viel wie „gespaltener Magen“. Bei diesem Bauchwanddefekt ist kein Bruchsack vorhanden, Teile des ektopen Intestinum, z. B. Magen, Teile der Leber, Dünn- oder Dickdarm befinden sich vor der eigentlichen Bauchhöhle. Lebensbedrohliche Anomalien treten allerdings nur selten auf, Babys mit Gastroschisis können in den allermeisten Fällen vollständig therapiert werden.

Nabelbruch vorbeugen

Während bei Erwachsenen Faktoren wie Übergewicht einen Nabelbruch begünstigen, trifft dies auf Neugeborene nicht zu. In den allermeisten Fällen ist der Nabelbruch beim Baby angeboren – kann also von den Eltern nicht vorgebeugt werden.

Nabelpflege bei Neugeborenen

In den ersten Wochen des neuen Erdenbürgers sollte sein Nabel gut gepflegt werden: Der Nabelstumpf des Säuglings sollte trocken gehalten werden, bis er abfällt. Der obere Rand der Windel sollte ein Stückchen unterhalb des Nabels verlaufen, so dass Urin nicht mit dem Nabel in Kontakt kommen kann. Wenn der Nabelstumpf abgefallen ist, kann der Nabel einfach mit warmem Wasser abgewaschen werden.

 

Therapie und Behandlung des Nabelbruchs bei Babys und Kindern

Der Zustand des Nabels bei der Geburt beschäftigt Mediziner schon seit Jahrhunderten – die Ubilikalfaszie wurde 1848 von Vidal de Cassis erstmals beschrieben, 1890 wurde erstmals eine Operation der Umbilikalhernie bei Neugeborenen durchgeführt.

Mittel der Wahl: Abwarten

Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Therapie und Behandlung der Nabelhernie beim Baby – welche angewandt wird, hängt vor allem von der klinischen Symptomatik und der Größe des Defekts ab. Mittel der ersten Wahl ist meist eine abwartende Haltung und ein Beobachten des Defekts durch den Arzt – wie erwähnt, kommt es in vielen Fällen zur Spontanheilung. Bei Mädchen wird eine OP meist eher empfohlen, da es bei einer späteren Schwangerschaft evtl. wieder zu einem Nabelbruch kommen kann.

  • 80 % der Nabelhernien verschließen sich in den ersten drei Lebensjahren wieder.
  • Weitere 10 % verschließen sich bis zur Pubertät.
  • Fasziendefekte, deren Durchmesser unter 1 cm liegt, bilden sich in fast 100 % der Fälle innerhalb von sechs Jahren wieder zurück.

 

Chirurgische Therapie bei großen Defekten oder klinischen Beschwerden

Ob eine OP tatsächlich nötig wird, hängt von der Größe der Hernie und dem Alter des Kindes bzw. des Babys ab, da sich, wie erwähnt, der Großteil der Brüche wieder spontan zurückbildet. Bleibt der spontane Verschluss aus, je nach Arzt bis zum fünften, sechsten oder siebten Lebensjahr, wird eine chirurgische Therapie empfohlen. Früher sollte nur dann operiert werden, wenn der Defekt über zwei Zentimeter groß ist.
In diesen Fällen wird eine chirurgische Therapie empfohlen:

 

  • wenn sich der Defekt bis zum sechsten Lebensjahr nicht zurückbildet
  • wenn die Hernie größer als zwei Zentimeter ist
  • wenn die Reposition des Bruchsackinhaltes in die Bauchhöhle nicht möglich ist
  • wenn sich Teile des Darms im Bruchsack einklemmen (sehr selten)
  • bei Strangulation, Ruptur und Eviszeration (sehr selten).

Unterschiedliche OP-Methoden

Die diversen Operationstechniken lassen sich alle auf dasselbe Prinzip zurückführen: Der Bruchsack wird isoliert und die Nabelpforte verschlossen. Der Eingriff wird unter Allgemeinanästhesie durchgeführt. Die OP dauert im Durchschnitt etwa 30-40 Minuten.

Die OP-Methode nach Mayo ist weit verbreitet – der Verschluss der Bruchpforte erfolgt durch die Dopplung der Faszie. Auch die Technik nach Spitzy wird oft angewandt: Der Verschluss wird durch einfache Fasziennähte längs und quer erreicht. Ebenfalls populär ist das Verfahren nach Drachter und Grossmann, bei dem durch Raffung der Bauchmuskeln ein länglicher Verschluss erreicht wird.
Welche OP-Methode für den Nabelbruch auch angewandt wird, nach der OP wird stets ein Bauchdecken-Verband angelegt, der – je nach Lehrmeinung – zwischen einem und sieben Tage lang getragen wird. Üblich ist statt dem Verband auch das Anlegen eines Wundpflasters.
Während einige Chirurgen nach der Operation eine Schonzeit von einigen Wochen empfehlen, sprechen andere davon, dass keine Schonung notwendig sei.

Vor der Operation

Vor dem Eingriff, also etwa sechs Stunden vor dem Eingriff, sollte das Baby bzw. das Kind nüchtern bleiben. Familien sollten ruhig bleiben und sich keine allzu großen Sorgen machen: Auch in dem ein oder anderem Forum zum Thema im Internet wird von Operationen berichtet – in den allermeisten Fällen verlaufen sie ohne weitere Komplikationen.

Nach der Operation

Komplikationen während oder nach dem Eingriff sind selten, in den allermeisten Fällen läuft die Nabelhernie-OP beim Baby ganz ohne Komplikationen ab. Auch die Entwicklung von Rezidiven, also erneuten Nabelbrüchen beim Baby, ist selten: Bei 2254 operierten Patienten liegt die Rate bei einem Prozent.
Mögliche postoperative Komplikationen sind:

  • Wundinfektionen
  • Erbrechen oder Hämatome

In den Tagen nach der OP sollte der Kontakt von Wasser mit der Wunde vermieden werden.

zu risiken und nebenwirkungen