Die Nabelbruch-Operation

Allgemein

Open hernia surgeryDie chirurgische Behandlung der Hernia (griech. „Knospe, Spross“) umbilicalis stellt einen kleineren Eingriff dar, der in der Regel völlig problemlos abläuft.
Zwischen fascia traversalis und linea alba liegt ein Kanal, der nur mit lockerem Bindegewebe ausgestattet ist und der deshalb eine Bruchpforte für Nabelhernien bilden kann. Dann stülpt sich das Bauchinnere, z. B. das Bauchfell und Darmteile, nach außen. Im Laufe einer Nabelbruch-Operation wird am Nabelrand ein kleiner Schnitt gemacht. Der Nabel wird von der Bauchwand gelöst, der Bruchsack in die Bauchhöhle zurückverlagert und die Bruchpforte stabil verschlossen. Dieses Verfahren bleibt immer dasselbe, unterschiedlich ist nur die Art des Verschlusses, die entweder über eine direkte Naht, eine Fasziendoppelung oder durch das Einsetzen eins Kunststoffnetzes erfolgt.

Die OP kann entweder ambulant oder auch stationär erfolgen. Routinemäßig wird der Eingriff unter Allgemeinanästhesie vorgenommen, eine zusätzliche Regionalanästhesie ist üblicherweise nicht indiziert.

OP-Verfahren bei Nabelhernien

Bei Neugeborenen bilden sich Nabelhernien meist bis zum Beginn des zweiten Lebensjahres zurück. Erworbene Nabelhernien, z. B. durch Schwangerschaft, werden meist nur dann operiert, wenn die Gefahr einer Einklemmung besteht oder der Bruch größer als 1,5 Zentimeter ist. Wird einem Erwachsenen zu einer Nabelbruch-OP geraten, gibt es grundsätzlich zwei diverse Wege bzw. zwei offene Verfahren, die der Chirurg zur Beseitigung der Nabelhernie einschlagen kann. Welcher Weg eingeschlagen wird, hängt von den individuellen Voraussetzungen und der Größe der Bruchpforte ab.

  • Versorgung durch direkte Naht oder Fasziendoppelung (z. B. nach Spitzy oder Mayo)
  • Versorgung über Kunststoffnetz

Bei einem Bruchlückendurchmesser bis zu drei Zentimetern wird die Versorgung der Hernie durch eine direkte Naht oder durch die Fasziendoppelung empfohlen. Als geeignetste Methode gilt (in Europa) die Operation nach Spitzy. Bei größeren Nabelhernien und unter bestimmten Umständen (Adopositas) erfolgt die Versorgung der Hernie über das Einsetzen eines Kunststoffpatches, das die Schwachstelle in der Bauchwand verstärken soll, um Rezidiven vorzubeugen. Ähnlich wie bei einem Eimer mit einem Loch, der von innen abgedichtet wird, kann man sich dieses Verfahren vorstellen.
Neben den beiden gängigen offenen Verfahren, wird in einigen Kliniken auch ein laparoskopisches Verfahren (Lap-IPOM) angewandt. Dabei wird die OP mithilfe eines optischen Instrumentes vorgenommen. Das Verfahren ist Teil der minimal-invasiven Chirurgie, bei der Operationen über minimale Hautschnitte durchgeführt werden.

Indikationen

Zu den wichtigsten Indikationen für eine chirurgische Nabelhernie-Versorgung gehören:

  • Inkarzeration (Einklemmung)
  • Peritoneale Reizung
  • Akutes Abdomen

Relative Indikationen sind die Prävention möglicherweise später auftretender Inkarzerationen, Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität sowie kosmetische Überlegungen.
Zu den Kontraindikationen gehören Leberzirrhose mit Aszites, fortgeschrittene Tumorleiden sowie kardiumpolmonale Risiken, wie z. B. Herzinsuffizienz.

Präoperative Diagnostik

Eine Nabelhernie kann vom Arzt durch eine Blick- und Tastdiagnose, also durch Palpation mit den Fingern, festgestellt werden. Eine Vorstülpung bzw. Aussackung am Nabel deutet auf den Bruch hin. Eine Ultraschalluntersuchung wird in der Regel nur bei Klienten mit Übergewicht angeraten, eine CT nur in Sonderfällen.

Vorbereitung auf die OP

Antikoagulierende Medikamente, wie z. B. ASS oder Marcumar, aber auch antidiabetische Medikamente, wie z. B. Metformin, sollten abgesetzt werden. Vor der OP sollte mindestens sechs Stunden nichts gegessen und drei Stunden nichts getrunken werden. Bevor der erste Hautschnitt folgt, wird das OP-Gebiet enthaart und die Hernienlokalisation angezeichnet.

Und so läuft die Nabelbruchversorgung durch direkte Naht ab:

 

  1. Hautschnitt
    Nach Gabe der Anästhesie und dem sterilen Abdecken erfolgt der Hautschnitt. Dieser kann nach unterschiedlichen Methoden erfolgen: Weit verbreitet ist der Hautschnitt nach Spitzy.
  2. Präparation des Bruchsacks
    Darstellen und Mobilisieren des Bruchsacks
  3. Ablösen des Bruchsacks vom Bauchnabel
  4. Replatzieren des Bruchsacks
    Darstellung der Bruchlücke und Faszienränder auf einen Zentimeter Länge.
  5. Verschluss der Bruchpforte
    Verschluss der Bruchlücke mit Einzelknopfnähten (bei kleineren Brüchen, wo keine Netzimplantation nötig wird.
  6. Fixierung des Bauchnabels
  7. Hautnaht
    Nach der Blutstillung wird eine Hautnaht bzw. eine Intracutanaht der Haut gesetzt.
  8. Pflasterverband
    Um Infektionen zu vermeiden, wird der Bauchnabel mit einem Pflasterverband abgeklebt.

Das Verfahren der direkten Naht wird nur bei sehr kleinen Brüchen angewandt. Eine konservative Alternative zur direkten Naht ist die Fasziendoppelung: Die Ränder der Bauchwandschichten, der Faszie, werden gedoppelt – anders ausgedrückt: überlappend vernäht – um für mehr Stabilität zu sorgen. Tatsächlich kann dieses Verfahren mit einer geringen Rezidivrate von nur einem Prozent aufwarten. Grundsätzlich wird bei gutem Faszienmaterial die Fasziendoppelung empfohlen – sofern der Chirurg die Methode beherrscht.

Verfahren mit Netzeinsatz zur Stabilisierung der Bauchwand

Der Einsatz eines künstlichen Netzes wird vor allem dann empfohlen, wenn ein sehr großer Bruch vorliegt, der Patient bereits einen Bruch erlitten hat oder aber die Bindegewebsschwäche so ausgeprägt ist, dass dieses keinen sicheren Nahthalt verspricht. Auch bei Frauen, die sich noch weitere Kinder bzw. eine Schwangerschaft wünschen, oder bei Übergewicht, kann das Kunststoffnetz die sinnvollere Indikation seien.
Auch bei dem Verfahren mit Netz wird als erstes ein Hautschnitt durchgeführt. Es kann der Hautschnitt nach Spitzy angewendet werden – oder aber andere Techniken, wie z. B. das Verfahren nach Mayo.
Um die Bruchlücke zu stabilisieren, können retromuskuläre – also rückseitige – oder aber vorderseitige Techniken eingesetzt werden. Um die Bruchpforte zu verstärken, werden speziell beschichtete, gut verträgliche Netze an die Bauchwand geheftet: Unterschieden wird meistens zwischen Netzen, die vor der Bauchhöhle eingesetzt werden (IPOM, Onlay Mesh), oder Netzen, die zwischen innerer Bauchmuskelschicht und Bauchfell eingesetzt werden (Sublay-Mesh). Die Größe des eingesetzten Netzes hängt vom Durchmesser der Bruchlücke und der Beschaffenheit der Umgebung bzw. des umliegenden Bindegewebes ab.

Das Laparoskopische Verfahren (Lap-IPOM)

Neben der konventionellen Versorgung werden inzwischen auch minimalinvasive Verfahren bzw. laparoskopische Verfahren angewandt, um das Operationstrauma möglichst gering zu halten. Diese Verfahren werden z. B. auch beim Leistenbruch angewandt. Post-operative Wundkomplikationen treten bei dem Lap-IPOM-Verfahren seltener auf als bei konventionellen Verfahren.
Bei der OP werden über kleine Einschnitte von bis zu einem Zentimeter Kameras und Instrumente in die Bauchwand eingeführt. Anschließend werden Verwachsungen im Bereich des Bruchs gelöst. Ein beschichtetes Netz wird in die Bauchhöhle eingeführt, ausgebreitet und mit Nähten an der Bauchwand befestigt. Vor allem bei Patienten, bei denen mit wenigen Verwachsungen zu rechnen ist, wie z. B. Klienten mit Wiederholungsbrüchen, ist diese OP-Methode vorteilhaft. Das Netz sollte die Bruchpforte in allen Richtungen um etwa fünf Zentimeter überlappen.
Das laparoskopische Verfahren zur Versorgung der Nabelhernie erfolgt unter stationären Bedingungen. Fünf Tage nach der Operation dürfen Patienten wieder nach Hause. Eine vorsichtige Mobilisation des Patienten erfolgt gleich am Tag nach der OP. Spätestens, wenn die Wundheilung abgeschlossen ist, kann die normale körperliche Aktivität, wie z. B. Fahrradfahren und leichte Gartenarbeit, wieder aufgenommen werden. Nach drei bis vier Wochen kann auch wieder schwerere körperliche Arbeit verrichtet werden.

Risiken einer Nabelbruch-OP

Wie jeder chirurgische Eingriff birgt auch die Nabelbruch OP Risiken für den Patienten. Grundsätzlich sind Komplikationen selten, zu den häufigsten Risiken gehören Hämatome und Wundheilungsstörungen. Zu den gefürchteten Komplikationen gehören vor allem Verletzungen des Darms. Folgende Risiken bestehen:

  • Hämatome und Nachblutungen
  • Darmperforation
  • Postoperativer Darmverschluss
  • Infektionen
  • Embolie
  • Thrombose
  • Rezidiv
  • Chronisches Schmerzsyndrom
  • Wundheilungsstörung

Postoperatives Verhalten und Behandlung

Nach der OP sollte die Bauchdecke – speziell während der ersten drei Monate – nicht belastet werden. Erst nach Abschluss der Wundheilung, also drei bis vier Wochen nach der OP, sollte der Körper wieder belastet werden und Sport, wie z. B. Joggen, wieder ausgeübt werden. Eine spezielle Krankengymnastik ist nicht nötig. Nach einer Schonzeit von 7 bis 14 Tagen – je nach Beruf – kann die Arbeit wieder aufgenommen werden.

  • Schonzeit von 7 bis 14 Tagen
  • Normale alltägliche Tätigkeiten und Arbeit ab 14 Tagen Ruhepause
  • Sport & Co. nach Ablauf der Wundheilung nach ca. 21 Tagen

In der Regel verspürt der Patient in der Zeit nach der OP kaum Schmerzen. Sollten doch heftigere Schmerzen auftreten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um die Symptome abzuklären.

Nabelbruch-OP bei Babys und Kindern

Bei etwa 5 bis 10 Prozent aller Neugeborenen wird eine Nabelhernie festgestellt. In über 80 Prozent der Fälle bildet sich der Nabelbruch bis zum Ende des dritten Lebensjahres wieder zurück, bei weiteren 10 Prozent erfolgt die Rückbildung im Laufe der Jahre bis zur Pubertät.

Wann ist eine OP nötig?

Der Nabelbruch wird beim Baby als tastbare Faszienlücke im Bereich des Nabels mit Bruchsackvorwölbung beim Schreien, Pressen oder Husten erkannt. Zu einer OP raten Ärzte meist nur dann, wenn der Nabelbruch über das 3. Lebensjahr hinaus besteht, sich der Bruch stetig vergrößert, offensichtliche Beschwerden verursacht oder die Gefahr einer Inkarzation(Einklemmung) deutlich wird. Bei Säuglingsnabelbrüchen ist die Einklemmungstendenz allerdings sehr gering und liegt unter drei Prozent. Der Nabelbruch kann durch einen operativen Bauchpfortenverschluss beseitigt werden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine OP?

Bildet sich der Nabelbruch entgegen der Erwartungen bis zum siebten Lebensjahr nicht zurück oder treten Beschwerden auf, kann eine Operation durchgeführt werden. Von Operationen im früheren Alter raten Experten ab – fast alle Hernien bis zu 1,5 cm Größe bilden sich spontan zurück.

Sollte doch eine OP erforderlich sein, wird im vorneherein geplant und kann zu dem Zeitpunkt erfolgen, der für die Familie passend ist. Die meisten OPs finden kurz vor dem Schuleintritt statt. Vor dem Eingriff wird ein umfangreiches und ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Chirurgen und mit dem Narkosearzt geführt.

Wie wird die Operation durchgeführt?

Die meisten Operationen können ambulant durchgeführt werden, Säuglinge sollten stationär behandelt werden. Ober- oder unterhalb des Nabels wird ein kleiner Hautschnitt ausgeführt, der Nabel wird vorsichtig abgelöst und der Bruchsack vom Hautnabel isoliert. Es folgt die Inspektion des Bruchsacks, der verschlossen wird. Dann wird auch die Bruchpforte, die Faszienlücke verschlossen und die Innenseite der Nabelhaut an der Faszie fixiert. Zum Schluss wird eine Hautnaht gesetzt.

Die populärsten Techniken bei der Nabelbruch OP beim Baby sind das Verfahren nach Mayo, wo die Bruchpforte durch die Doppelung der Faszie verschlossen wird. Ebenfalls populär ist die Technik nach Spitzy, wo der Verschluss durch eine einfache, direkte Naht erfolgt.

Was sollte nach der OP beachtet werden?

Die meisten Chirurgen empfehlen mehrere Wochen Schonung, bis die Wundheilung abgeschlossen ist. Postoperativ wird meist ein Verband oder ein Wundpflaster angelegt. Postoperative Komplikationen können Wundinfektionen, Erbrechen oder Hämatome sein – sie treten allerdings selten auf.

Nabelbruch-OP bei Tieren

Wann muss operiert werden?

Ähnlich wie bei menschlichen Säuglingen, ist es auch bei Hunde- oder Katzenwelpen so, dass sich ein angeborener Nabelbruch, der nach der Geburt sichtbar wird, in vielen Fällen wieder von allein verschließt. Ist der Nabelbruch allerdings erworben, sehr groß, verursacht Beschwerden oder verwächst sich nicht, kann evtl. eine Operation nötig werden. Wie beim Menschen wird der Nabelbruch dann gefährlich, wenn der Bruchinhalt, z. B. Teile des Darms, eingeklemmt werden.

Wann ist der passende Zeitpunkt für eine OP?

Der richtige Zeitpunkt hängt von der individuellen Situation ab. Bei Hunden und Katzen wird ein Nabelbruch häufig im Rahmen der Kastration operiert: Dann muss das Tier sowieso unter Narkose gesetzt werden, und der Bruch kann gleich mitoperiert werden.

Wie hoch sind die Kosten für eine OP?

Die Kosten für eine Operation sind je nach Tierart, aber auch je nach Region unterschiedlich: Der chirurgische Eingriff bei Katzen und Hunden kostet etwa ab 120 Euro aufwärts. Nabelbruch OPs bei Pferden oder Kühen sind meist teurer und liegen bei 500 Euro aufwärts.

Wie lange dauert die OP?

Bei Hunden und Katzen dauert die OP etwa 30 – 40 Minuten – kann jedoch je nach Tierart und Schwere des Bruchs variieren. Nach einem ersten Hautschnitt ober- oder unterhalb des Nabels werden äußerer und innerer Bruchsack voneinander getrennt. Die anschließenden Methoden zur Versorgung sind unterschiedlich und werden je nach Größe und individuellen Umständen gewählt. Entweder wird die Pforte durch eine direkte Naht oder durch eine Verdoppelung der Faszien geschlossen. Möglich ist auch der Einsatz eines Kunststoffnetzes, um die Bruchpforte sicher abzudichten. Nach der OP wird für ein bis zwei Wochen Ruhe verordnet, Saugfohlen erhalten beispielsweise 14 Tage Boxenruhe zusammen mit der Pferdemutter.

zu risiken und nebenwirkungen